The story of a table

Fahl bahnt sich das schwache Sonnenlicht an diesem Tag seinen Weg durch den dichten Hochnebel und taucht den Parkplatz in ein diffuses Grau. Langsam nähert sich ein blaues Fahrzeug. Der Schotter knirscht unter den Reifen als der Wagen auf den Parkplatz einbiegt. Suchend schweift der Blick des Fahrers über die abgestellten Fahrzeuge. Da fixiert er einen grauen Minivan, vor dem ein kräftiger Mann steht. Der blaue Wagen kommt zum Stehen und eine Frau und ein Mann steigen aus. Der kräftige Mann lächelt, die beiden aus dem blauen Auto erwidern sein Lächeln und alle begrüßen sich herzlich. Dann steigen sie gemeinsam in den grauen Minivan, verlassen den Parkplatz und fahren in Richtung Süden.

Schon ein paar Wochen zuvor war es, als der Wunsch einen besonderen Tisch zu bauen immer mehr Gestalt annahm. Und nun, an diesem grauen Oktobertag sollte es endlich so weit sein. Martina und ich waren zu Flo ins Auto gestiegen und fuhren zu Dritt in Richtung Mattersburg. In dieser Gegend hatten wir jemanden gefunden, der sehr schöne Naturholzbretter anbot und wir wollten uns ansehen, ob etwas für uns dabei wäre. Angekommen vor einem normalen Einfamilienhaus begrüßte uns der “Holzmann” und nach letzten Anweisungen zum Umgang mit den beiden großen Hunden, konnten wir den Garten betreten, in dem all die Holzschätze lagerten. Nach einer kurzen Plauderei zum geplanten Projekt, zeigte er uns erste Hölzer. Da wir eher etwas dunkleres Hartholz suchten, zeigte er uns drei Bretter Nussholz, die ganz hinten in einem Holzschuppen lagerten. Die Maserung war kaum zu erkennen, aber Flo hatte sofort gemeint, dass wir diese noch sehr stark herausholen würden, und damit war die Entscheidung gefallen. Da es auch noch ausreichend lang gelagert war, konnten wir sogar direkt nach dem Kauf mit dem Bau beginnen. Auf den Preis hatten wir uns schnell geeinigt und mit Einlangen der Zahlungsbestätigung stand dem Abtransport nichts mehr im Wege. Immerhin 3 Planken zu jeweils 2m Länge waren es und so war es gut gewesen mit einem Minivan dort zu sein.

Auswahl und Ausrichtung

Noch am gleichen Tag begannen wir die Bretter probeweise nebeneinander zu legen, um die beiden Planken auszuwählen, die später zum Tisch werden sollten. Mit Hilfe einer Kartonschablone in den Maßen des zukünftigen Tisches positionierten wir die beiden Teile und markierten uns die gewünschte Form. Wichtig war uns besonders, so viel wie möglich vom natürlichen Charakter des Holzes zu erhalten und die natürlichen Formen zu berücksichtigen. Doch erstmal mussten wir eine Woche warten bis der Tischler im Ort Zeit für das Hobeln der Planken hatte. Immerhin waren die Bretter durch den Wasserverlust beim Trocknen leicht verzogen.

Die Kontur wird festgelegt

Die Konturen entstehen

Nach dem Hobeln und Kürzen der Teile auf die zukünftige Länge des Tisches, wurden erstmal die beiden Platten miteinander verschraubt, um sie zu fixieren. Mit dem Raspel-Aufsatz der Flex wurde mal die grobe Kontur modelliert. Das war echt wunderbar, die Akzente der Platten so richtig zur Geltung zu bringen. Um einen kleinen Vorgeschmack zu bekommen, wurde schon mal ein Teil leicht angeschliffen und mit einem feuchten Tuch abgewischt – und siehe da, eine großartige Maserung!

Die Probestücke

Da wir noch nie zuvor mit Epoxidharz gearbeitet hatten und vor immerhin 12 kg davon auf einmal verarbeiten wollten, gingen wir erstmal daran zwei Probestücke anzufertigen, um zu sehen welche der Farben für den Tisch ideal wäre. Eine Woche zuvor hatten wir den Bedarf für das Epoxidharz berechnet und das Harz schon mal bestellt. Daher konnten wir jetzt den ersten Probeguss machen. Allerdings hieß es danach wieder zu warten bis das Harz fest genug war.

Der erste Guss

Jetzt hatten wir mal ein Gefühl für die Verarbeitung und machten uns daran die Tischplatten komplett für den Guss vorzubereiten. Da in der Zwischenzeit auch noch die Erkenntnis dazukam, dass Fruchtfliegen auf das Harz fliegen, mussten wir auch noch eine Abdeckung bauen, damit wir die dann nicht aus dem getrockneten Harz holen müssen. Flo hatte auch eine super Idee umgesetzt, um auch in den Guss-Bereichen die Naturkante weiterzuführen und so war alles bereit für den ersten richtig großen Guss. Wir hatten zwar vorher alle Fugen mit Silikon abgedichtet, doch das bewahrte uns nicht davor, dass sich das Harz durch feine Ritzen im Holz aus der Form auf den Boden tropfte.

Der zweite Guss

Eine Woche später war das Harz so weit ausgehärtet, dass wir damit beginnen konnten eine weitere Schicht zu gießen. Dadurch, dass das Holz zum Einen in seinen feinen Poren und Spalten das Harz aufgesogen hatte und zum Anderen auch einiges an Harz durch die undichte Form auf den Boden floss, hatten wir doch fast 1,5 cm Schichtdicke nachzugießen. Aber diesmal war alles dicht und wir strichen auch die Oberseite des Tisches noch mal mit dem Pinsel ein, um kleine Fugen zu schließen.

Tischbeine

Seit Beginn der Arbeiten war die Frage im Raum gestanden, wie denn die Tischbeine aussehen sollten. Sollten diese aus Metall sein? Sollten wir diese selbst schweißen oder kaufen? Oder doch lieber aus Holz selbst etwas konstruieren? Nach einigen Überlegungen hatte ich mal eine Skizze angefertigt und Flo hatte sie gleich mal mit etwas Weichholz als Prototyp umgesetzt. Die Konstruktion hielt, hatte ausreichend Stabilität und sollte durch das Harz hindurch von der Tischplatte aus nicht zu sehen sein. Auch ausreichend Beinfreiheit sollte garantiert werden und dennoch sollten die Beine der Tischplatte nicht die Show stehlen und dezent elegant sein. Nach dem ersten Prototyp folgte der erste Versuch der finalen Version. Da es bei diesem Versuch noch immer ein paar ästhetische Verbesserungspotenziale gab, folgt auch noch eine dritte Version – die tatsächlich finale Version.

Entformen

Der große Tag war gekommen. Die Harzschichten waren ausgehärtet und das Entformen stand auf dem Programm. Wir hatten die Form aus Pressspanplatten gebaut, die wir vorher mit Holzleim imprägniert hatten, damit sie nicht am Harz haften würden. Fugen wurden mit Silikon geschlossen und an den Stirnseiten hatten wir einfach Reste von Verpackungskarton verwendet. Beim Entfernen der Stirnseiten blieb der Karton am Tisch vollflächig kleben – das Imprägnieren mit Holzleim hatte keinen Effekt gehabt! Aber da der Karton leicht mit der Schleifmaschine zu entfernen sein würde, hatten wir noch keine großen Sorgen. Als nächstes waren die Bodenplatten der Form an der Reihe. Mit Hammer und Meißel trennten wir die ersten Teile von der Tischplatte, doch die Formplatten gingen nicht ab, sondern schienen vielmehr mit der Tischplatte verklebt zu sein! Der Holzleim hatte auch hier keinen Effekt gehabt und es war notwendig Zentimeter für Zentimeter die Pressspanplatte herunterzumeißeln. Immerhin waren wir zu Zweit fast 3 Stunden beschäftigt und es war schon kurz vor Mitternacht, als die Tischplatte tatsächlich vollständig von Ihrer Form getrennt war.

Schleifen, schleifen, schleifen

Nach dem Entformen brauchten wir mal eine Pause. Die Bilanz der Aktion: Wir hatten fast 2 Quadratmeter Pressspanplatte in kleine Holzsplitter zerlegt, einen Meißel zerstört und Blasen und Druckstellen auf den Händen. Aber die Tischplatte war jetzt freigelegt und man konnte sich schon vorstellen, wie der Tisch fertig aussehen würde. Ursprünglich sollte der Tisch mit einer glänzenden Harzschicht überzogen werden, doch weil das Harz recht empfindlich auf Kratzer reagiert und das Holz in seiner wunderbaren Natürlichkeit den Charakter des Tisches verstärken sollte, sollte die Harzschicht abgetragen werden und der Tisch am Schluss geölt werden.

Es begann eine Schleiforgie. Mit immer feiner werdenden Körnungen wurde der Tisch immer wieder geschliffen und Flo legte auch mal ohne mich eine Sonderschicht ein, um schneller voranzukommen.

Die letzte Ölung

Wir wollten, dass die Tischplatte mit natürlichem Öl eingelassen wird und daher begab sich Martina auf die Suche nach dem idealen Öl und bald fiel die Wahl auf natürliches Leinöl. Es hat zwar einen leichten Eigengeruch, aber dafür zieht es gut ins Holz ein und schützt das Holz so vor Wasser, was bei der Verwendung als Wohnzimmertisch ganz praktisch ist. Im letzten Gang wurde also das Harz noch auf Hochglanz poliert und der Tisch zweimal mit Leinöl eingelassen. Nach jeweils 24 Stunden war das Öl eingezogen und nach dem letzten Schliff, war die Oberfläche final veredelt. Einfach traumhaft anzusehen und ein großartiges Gefühl über den Tisch zu streichen – ein Tisch für alle Sinne!